Zwischen Krieg und Konjunkturstärke: die Lage an den Märkten
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Zwischen Krieg und Konjunkturstärke: die Lage an den Märkten
vom 15.09.2026
Zwischen Krieg und Konjunkturstärke: die Lage an den Märkten
Marktkommentar von Moventum Asset Management

Luxemburg, 15. September 2026 – Zwei Kräfte zerren derzeit an der globalen Konjunktur: Auf der einen Seite zeigt sich die Lage vieler Unternehmen weiterhin robust, auf der anderen Seite wird die Kaufkraft der privaten Haushalte durch steigende Preise belastet. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Krieg im Iran.

„Solange die Situation im Nahen Osten sich nicht klärt, bleibt die Frage unbeantwortet, welche der beiden Kräfte stärker ist“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Die aktuelle Lage auf einen Blick
 Positiv: Industrie und Unternehmensaktivität in den USA bleiben überraschend stark.
 Gemischt: Der US-Arbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale.
 Belastend: Hohe Energiepreise und Inflation schwächen die Kaufkraft der privaten Haushalte.
 Entscheidender Faktor: Die weitere Entwicklung des Nahostkonflikts und damit insbesondere des Ölpreises.
USA: Die Industrie bleibt überraschend stark

Der Buchstabe „K“ spielt derzeit eine zentrale Rolle bei der Bewertung der US-Konjunktur. Die sogenannte „K-shaped recovery“ weist gleichzeitig nach oben und nach unten: Während einige Bereiche der Wirtschaft deutlich wachsen, geraten andere zunehmend unter Druck.

Starke Signale aus der US-Industrie
Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe notiert weiterhin klar im Expansionsbereich. Im Juli hatte er mit 55,6 Prozent den höchsten Stand seit Mai 2022 erreicht. Im August lag er mit 54,6 Prozent nur leicht darunter.

Begleitet wird diese Entwicklung von soliden Auftragseingängen. „Das ist ein zentraler Grund für die anhaltend gute Entwicklung des Börsenindex S&P 500“, sagt Fischer.

Auch die Echtzeit-Prognosen bestätigen das solide Wachstumsbild: Der BIP-Nowcast der Atlanta Fed liegt Anfang September für das dritte Quartal bei robusten 4,7 Prozent.

Wichtige US-Konjunkturdaten
ISM Industrie Juli 55,6
ISM Industrie August 54,6
Atlanta-Fed BIP-Nowcast Q3 4,7 %
Neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft +162.000
US-Arbeitsmarkt: überraschend positives Signal

Zwiespältig ist dagegen die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Er ist von besonderer Bedeutung, da knapp 70 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung vom privaten Konsum abhängen.

Überraschend guter August:
Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft stieg um 162.000 Stellen. Das war der stärkste monatliche Zuwachs seit März.

„Es bleibt abzuwarten“, sagt Fischer, „ob es sich dabei um eine nachhaltige Trendwende oder lediglich um eine einmalige positive Ausreißerzahl innerhalb eines insgesamt fragileren Arbeitsmarktumfelds handelt.“

Private Haushalte geraten zunehmend unter Druck

Deutlich eingetrübt hat sich dagegen die Situation der privaten Haushalte. Sowohl bei den Einzelhandelsumsätzen als auch bei den Konsumausgaben sind Rückschritte zu beobachten. Dies dürfte insbesondere zyklische Konsumsegmente belasten.

Ein wichtiger Belastungsfaktor ist der anhaltende Nahostkonflikt. Er sorgt für starke Schwankungen beim Ölpreis und treibt die Energiekosten zeitweise deutlich nach oben. Dadurch bleibt den US-Haushalten nach Abzug der Energiekosten weniger Geld für andere Konsumausgaben.

K-shaped-Konsum
„Dies ist ein weiterer Baustein im bereits beobachteten K-shaped-Konsummuster in den USA“, erklärt Fischer.
Inflation: Energie bleibt der entscheidende Treiber

Die US-Verbraucherpreise kletterten im August um 3,4 Prozent. Zentraler Treiber bleibt die Energie.

Warnsignal aus der Wertschöpfungskette:
Die Erzeugerpreise liegen mit 5,4 Prozent deutlich über der Verbraucherpreisinflation. Dies deutet auf weiterhin vorhandenen Preisdruck in den Unternehmen hin.

„Das zeigt, dass sich die Energiepreisinflation zunehmend auf vor- und nachgelagerte Sektoren durchfrisst“, so Fischer.

Wirtschaft wird zum politischen Thema

Gleichzeitig bleibt die Belastung der Haushalte durch hohe Energiepreise und Lebenshaltungskosten politisch ein sensibles Thema. Im Vorfeld der Midterm-Wahlen im November dürfte dies weiter an Bedeutung gewinnen. Die Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump findet bislang nur begrenzte Begeisterung in der Bevölkerung.

Europa: erste Hoffnungssignale aus Deutschland

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in Europa. Die Stimmung in der Wirtschaft verbessert sich, insbesondere angetrieben durch die Entwicklung in Deutschland.

Hoffnungssignal aus Deutschland:
„Das ist möglicherweise ein erstes Anzeichen dafür, dass die angekündigten Reformen und Fiskalpakete allmählich Wirkung zeigen“, erklärt Fischer.

Gleichzeitig leiden auch europäische Verbraucher unter steigenden Preisen infolge des Iran-Krieges. Zudem bleiben zahlreiche strukturelle Herausforderungen bestehen:

• hohe Bürokratie
• vergleichsweise geringe Digitalisierung
• hohe Energieabhängigkeit
• zunehmender Fachkräftemangel
Fazit: Die Märkte bewegen sich im Spannungsfeld

Fischer: „Insgesamt halten sich derzeit Stärken und Schwächen auf beiden Seiten des Atlantiks die Waage.“

Wohin die Waage letztlich kippt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Insbesondere der Ölmarkt bleibt von außergewöhnlich hoher Unsicherheit geprägt.

„Für eine belastbare Preisprognose fehlt derzeit schlicht die Klarheit über den weiteren Konfliktverlauf. Man agiert im Nebel.“
Thorsten Fischer, Moventum Asset Management

Quelle: Moventum


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