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US-Regierung streut Sand in ihre Innovationsmaschine
vom 11.05.2026

Marktkommentar

US-Regierung streut Sand in ihre Innovationsmaschine

Massive Eingriffe in die US-Wissenschaft könnten langfristig die technologische Führungsfähigkeit der Vereinigten Staaten schwächen.

Luxemburg, 11. Mai 2026 – Die US-Wissenschaft steht vor einem historischen Einschnitt: Massive Budgetkürzungen, institutionelle Eingriffe und ein wachsender Talentabfluss gefährden die Innovationsbasis einer Supermacht – und damit die Supermacht selbst. „Das hat globale Folgen, auf die sich Anleger einstellen sollten“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

US-Wissenschaftssystem unter Druck

Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine Erschütterung ihres Wissenschaftssystems. Die Regierung hat vorgeschlagen, das Budget der National Science Foundation, kurz NSF, zu halbieren. Parallel wurden seit April 2025 über 1.600 laufende Forschungsprojekte abrupt beendet.

Hinzu kommen institutionelle Eingriffe: Die Mitglieder des National Science Board wurden entlassen, der NSF-Direktor trat vorzeitig zurück. In der Forschungscommunity ist bereits von „Chaos“ die Rede.

„Technologien, Industrien und Unternehmen, die nie entstehen, tauchen in keiner Statistik auf und bleiben dennoch der größte Verlust.“

Thorsten Fischer, Moventum AM

Grundlagenforschung als Basis technologischer Stärke

Die eigentliche Tragweite dieser Entwicklung zeigt sich nicht allein in aktuellen Kürzungen, sondern vor allem in den Innovationen, die künftig ausbleiben könnten. Wenn der Staat sich aus der Forschung zurückzieht, klafft eine große Lücke.

Denn ein Blick in die Geschichte zeigt: Die technologische Dominanz der USA beruht in erheblichem Maße auf staatlich finanzierter Grundlagenforschung. Internet, GPS, Cloud Computing und künstliche Intelligenz entstanden nicht aus kurzfristigem Renditedenken, sondern aus dem strategischen Ziel, Forschung langfristig zu fördern.

„Private Kapitalmärkte sind strukturell kaum in der Lage, diese Rolle zu übernehmen“, so Fischer. „Die Risiken sind hoch, die Zeithorizonte lang, die Visibilität künftiger Renditen begrenzt.“

Eine besondere Ironie sieht Fischer darin, dass auch die vom US-Präsidenten geschätzte militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten historisch auf ziviler Grundlagenforschung basiert.

Politisierung der Wissenschaft als zusätzliches Problem

An der Wissenschaft wird derzeit nicht nur gekürzt. Besonders kritisch ist aus Sicht von Moventum AM ihre zunehmende Politisierung. „Mit der Entlassung des National Science Board gerät die institutionelle Unabhängigkeit unter Druck – eine zentrale Voraussetzung für langfristige Innovationsfähigkeit“, sagt Fischer.

Gleichzeitig verlieren die USA an Attraktivität für internationale Spitzenforscher. Politischer Druck auf Universitäten, restriktivere Einwanderungsregeln und steigende Forschungsinvestitionen in Europa und Asien führen dazu, dass sich globale Talentströme neu ausrichten könnten.

Strategischer Wettbewerb verändert sich

Der strategische Konflikt verschiebt sich damit: Es geht nicht mehr nur um den technologischen Wettbewerb zwischen den USA und China, sondern zunehmend um den Gegensatz zwischen offenen Innovationssystemen und politisierten Wissenschaftsstrukturen.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Anleger könnte diese Entwicklung weitreichende Folgen haben. „Der Verlust technologischer Führungsfähigkeit erfolgt selten abrupt“, erklärt Fischer. Er beginne schleichend – mit weniger Forschung, weniger Talenten und weniger Durchbrüchen. „Genau diese Erosion könnte bereits eingesetzt haben.“

Für Investoren gewinnt damit ein neuer Faktor an Bedeutung: technologische Innovationskraft als geopolitisches Asset. Der Wettbewerb um Talente, Forschungskapazitäten und KI-Infrastruktur dürfte sich weiter verschärfen. Europa und Asien könnten selektiv von einer relativen Schwächung der USA profitieren.

Die USA riskieren damit erstmals seit Jahrzehnten ihren größten strategischen Vorteil. „Denn auch im 21. Jahrhundert entsteht geopolitische Macht nicht allein durch Kapital oder militärische Stärke“, so Fischer, „sondern durch die Fähigkeit, die Technologien der nächsten Dekade hervorzubringen.“

Quelle: Moventum AM

Quelle: Moventum


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