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Sprit: Deutsche zahlen besonders viel
vom 02.04.2026

Spritpreisentwicklung:
Deutsche zahlen besonders viel

Die aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die internationalen Energiemärkte stark unter Druck gesetzt. Besonders in Deutschland sind die Folgen an den Tankstellen und beim Heizölpreis deutlich spürbar.

Ölpreis steigt durch Eskalation im Nahen Osten

Der anhaltende Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran hat weltweit spürbare Auswirkungen auf die Energieversorgung. Die Öl- und Gasproduktion im Nahen Osten ist infolge der Eskalation deutlich zurückgegangen. Zusätzlich ist der Transport durch die Straße von Hormus, die wichtigste Schifffahrtsroute der Region, nahezu zum Stillstand gekommen. Diese Meerenge gilt als einer der bedeutendsten Engpässe des weltweiten Ölhandels, da rund ein Fünftel der globalen Öltransporte diese Route passiert.

Die Märkte reagierten sofort. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent stieg innerhalb kurzer Zeit massiv an und erreichte zu Beginn der 11. Kalenderwoche zeitweise fast 120 US-Dollar. Aktuell liegt der Ölpreis bei rund 101 US-Dollar. Eine echte Entspannung bei den Kraftstoffpreisen ist dennoch bislang nicht zu erkennen.

Deutschland besonders stark betroffen

In ganz Europa haben sich die Preise für Benzin und Diesel erhöht, in Deutschland jedoch besonders stark. Viele Verbraucher reagieren verärgert, da die Preiserhöhungen an den Tankstellen sofort umgesetzt wurden, obwohl der dort verkaufte Kraftstoff häufig noch nicht zu den neuen, höheren Einkaufspreisen beschafft worden war. Zudem sind Ölgesellschaften in vielen Fällen über Termingeschäfte für die kommenden Monate abgesichert. Für zahlreiche Autofahrer drängt sich daher der Eindruck auf, dass die Mineralölkonzerne an der Situation zusätzlich verdienen.

Der Tankstellenverband hält sogar weitere Preissteigerungen für möglich. Preise von bis zu 2,50 Euro oder mehr pro Liter werden nicht ausgeschlossen. Auch deshalb hat der ADAC die Politik zum Handeln aufgefordert.

Politik greift ein – aber ohne Tankrabatt

Während Kroatien und Ungarn bereits Preisdeckel eingeführt haben und Ungarn zusätzlich staatliche Ölreserven freigibt, hat die Bundesregierung einen Tankrabatt wie im Jahr 2022 umgehend ausgeschlossen. Stattdessen beobachten das Bundeskartellamt und die Bundesregierung die Preisentwicklung sehr genau. Auch in Deutschland wurde beschlossen, einen Teil der nationalen Ölreserven freizugeben.

Die Internationale Energieagentur hat ihren Mitgliedsstaaten zudem vorgeschlagen, insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl aus Reserven freizugeben. Diese Menge entspricht ungefähr dem Volumen, das normalerweise innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wird, und würde die bisherige Höchstmenge zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen.

Aktuelle Preise im Vergleich

Am 27.03.2026 lag der bundesweite Durchschnittspreis für einen Liter Super bei 2,14 Euro. Diesel kostete im Durchschnitt sogar 2,26 Euro. In Österreich lagen die Preise im Vergleich dazu bei 1,84 Euro für Super und 2,10 Euro für Diesel.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Ländern liegt in der Höhe von Steuern und Abgaben. In Deutschland lag die Belastung im Jahr 2025 bei rund 64 Prozent für Benzin und 56 Prozent für Diesel. In Österreich betrug sie 58 Prozent beziehungsweise 53 Prozent. In beiden Ländern profitiert der Staat erheblich von hohen Energiepreisen, in Deutschland allerdings noch stärker.

Österreich mit klareren Regeln

Ein weiterer Unterschied liegt in der Preisbildung an den Tankstellen. In Österreich ist gesetzlich geregelt, dass die Preise nur einmal pro Tag, jeweils um 12 Uhr, erhöht werden dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich. In Deutschland hingegen ändern sich die Tankpreise teils bis zu 22-mal täglich, mit steigender Tendenz.

Vor diesem Hintergrund wurde im Bundestag ein Gesetzentwurf genehmigt, der sich am österreichischen Modell orientiert und mehr Transparenz sowie eine bessere Nachvollziehbarkeit bei den Preisänderungen schaffen soll.

Nicht nur Tanken wird teurer

Auch wenn ein großer Teil des Spritpreises aus Steuern und Abgaben besteht, bleibt dieser Anteil pro Liter weitgehend konstant, da Mineralölsteuer und CO2-Abgabe feste Beträge sind. Lediglich die Umsatzsteuer steigt prozentual mit dem Preis. Der aktuelle Preissprung ist daher vor allem auf höhere Kosten und Gewinnmargen zurückzuführen.

Die Folgen betreffen nicht nur Autofahrer. Steigende Transportkosten werden auch in anderen Bereichen für höhere Preise sorgen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Harnstoffprodukte, die ein wesentlicher Bestandteil von Dünger sind, aus dem Nahen Osten stammt. Damit sind auch Belastungen für die Landwirtschaft zu erwarten. Zudem dürften sich Lieferzeiten für Waren aus Asien verlängern.

Fazit

Die Entwicklung der Spritpreise zeigt, wie stark geopolitische Konflikte auf den Alltag und die Wirtschaft durchschlagen. Deutschland ist innerhalb Europas besonders stark betroffen. Neben der unmittelbaren Belastung an der Tankstelle dürften auch viele andere Lebensbereiche durch höhere Energie-, Transport- und Produktionskosten weiter unter Druck geraten.