Ist Atomstrom wirklich günstiger?
Es kommt darauf an…
In Deutschland wurde die Stromkostendebatte zumeist interessengeleitet geführt. Der Staat subventionierte sehr viel und sehr lange bzw. tut dies bis heute. Bei der Frage nach dem richtigen Strom-Mix und möglichst günstigen Stromkosten geht es aber nicht nur um Kosten, sondern auch um Sicherheit, Verfügbarkeit und Substituierbarkeit. Die Frage der CO2-Neutralität und des Klimaschutzes ist wichtig. Allerdings darf das nicht dazu führen, dass die Wirtschaft entscheidend geschwächt wird. Weitere Fortschritte bei Erreichung der Klimaneutralität sind sinnvoll, sofern das Tempo die Wirtschaft nicht zu stark belastet und die fortlaufende Stromversorgung sichergestellt ist.
Die Rufe nach günstigem und sicherem Atom-Strom werden auch in Deutschland wieder lauter. Atomkraft ist eine kontroverse Energiequelle, bei der Vorteile wie eine CO2-freie Stromerzeugung den Nachteilen wie Störfällen und insbesondere die Endlagerung gegenüber stehen.
Bei den Kosten darf jedoch nicht nur auf die direkten Kosten für die Stromproduktion geschaut werden. Die Planung und der Bau sind langwierig und teuer. Die Entsorgung ist noch teurer und bis heute nicht optimal gelöst. Ein sicheres Endlager gibt es in Deutschland bisher nicht.
Ein besonders negativer Fall in der deutschen Energiepolitik ist das inzwischen stillgelegte Atomkraftwerk Hamm-Uentrop. Dieses Atomkraftwerk war ein heliumgekühlter Hochtemperaturreaktor des Typs Kugelhaufenreaktor mit einer elektrischen Leistung von 300 Megawatt.
Dieser Reaktor wurde 1983 testweise in Betrieb genommen, 1987 an den Betreiber übergeben und nach nur 423 Tagen 1989 abgeschaltet. In dieser kurzen Zeit gab es 125 meldepflichtige Ereignisse. Diese hohe Störanfälligkeit und die Freisetzung radioaktiver Partikel nach einem Störfall im Mai 1986 führten dann zu der behördlichen Stilllegung 1989.
Anschließend wurden die Brennelemente entfernt und der Reaktor durch einen Betoneinschluss versiegelt. Aufgrund der atomaren Belastung des Geländes kann mit dem Rückbau frühestens 2030 begonnen werden. Dieser soll mehr als 10 Jahre dauern und wird voraussichtlich immense Kosten verursachen. Schätzungsweise werden diese bei über EUR 500 Millionen liegen. Der Betreiber des Atomkraftwerks hat jedoch Insolvenz angemeldet, so dass die Rechnung wohl wieder einmal der Steuerzahlung begleichen wird.
Beim Strom gab und gibt es leider viele politische Fehler. Dazu gehört das oben bereits angesprochene Thema eines sicheren Endlagers. Im Salzbergwerk Asse wurden zwischen 1967 und 1978 rund 47.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall in 126.000 Behältern eingelagert. Eigentlich sollte es ein Endlager sein, allerdings ist das Bergwerk instabil und einsturzgefährdet. Durch Risse tritt salzhaltiges Wasser ein. Um eine Gefahr für Menschen und Umwelt abzuwenden, hat der Deutsche Bundestag deshalb per Gesetz entschieden, die Abfälle aus der Asse schnellstmöglich bergen zu lassen. Die Behälter sollen über ein neues Rückholbergwerk geborgen werden. Anschließend werden sie in einer Abfallbehandlungsanlage fachgerecht behandelt und sicher verpackt, bevor sie in ein Zwischenlager gebracht werden können. Nach heutigem Planungsstand soll die Rückholung im Jahr 2033 beginnen. Aktuell werden die Kosten für die Vorbereitung der Rückholung bis 2033 auf rund EUR 4,7 Milliarden geschätzt. Die Gesamtkosten für die Rückholung sowie die anschließende Stilllegung des Salzbergwerks Asse sind derzeit nicht prognostizierbar.
Blick nach vorn
Es bleibt zu wünschen, dass in Zukunft Entscheidungen strategisch getroffen und zu Ende gedacht werden. Dann können sie mit einer sauberen Planung auch umgesetzt werden. Auf so einer Grundlage könnte über jede Energieform (neu) nachgedacht werden. Die Vergangenheit sollte aber ein mahnendes Beispiel sein.