Die gefühlte und die statistische Inflation
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Die gefühlte und die statistische Inflation
vom 07.10.2020

Die gefühlte und die statistische Inflation
Häufig empfinden Verbraucher die Inflation als höher als sie in der Realität ist

Die Notenbanken der einzelnen Staaten sollen in ihren Ländern für Preisstabilität sorgen. Preisstabilität ist gegeben, wenn die durchschnittliche Inflationsrate bei ungefähr 2% liegt. In Deutschland wird die Inflationsrate durch das Statistische Bundesamt auf Basis der Preisentwicklung eines Warenkorbs ermittelt. Dieser beinhaltet verschiedenste Güter und Dienstleistungen, die unterschiedlich gewichtet sind. Es soll das Konsumverhalten eines deutschen Durchschnittshaushaltes abgebildet werden. Zur Wiedervereinigung 1990 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,6, seitdem pendelt sie zwischen 0,3% und 5%. Durchschnittlich lag die Inflationsrate in den letzten 30 Jahren bei 1,8%.

Nun hat aber nicht jeder Haushalt die gleichen Prioritäten. Steigende Preise werden bei Produkten des täglichen Bedarfs sehr deutlich wahrgenommen, weil sie oft gekauft werden. Dagegen fällt die Preisentwicklung bei eher selten gekauften Gütern wie Waschmaschinen oder Fernsehern weniger stark auf. Diese subjektiv empfundene Teuerungsrate wird gefühlte Inflation genannt und kann deutlich von der tatsächlichen Inflation abweichen.

Alle 5 Jahre wird die Inflationsberechnung aktualisiert und der Warenkorb entsprechend überarbeitet. Einige Produkte und Dienstleistungen fallen heraus oder werden durch andere ersetzt und auch die Gewichtung wird angepasst. Haben die Menschen z.B. mehr Brot gekauft, steigt der Anteil an Brot im Warenkorb.

Bei Haushalten mit geringeren Einkommen machen notwendige Ausgaben für Miete, Lebensmittel und Energie den Großteil des Budgets aus. Wenn die Preise in diesen Segmenten steigen, werden diese Haushalte überproportional stärker belastet als Haushalte mit einem höheren Einkommen. Als logische Konsequenz daraus werden diese Haushalte Lebensmittel bei Discountern zu geringeren Preisen kaufen müssen, was wiederum die Gewichtung von billigen Gütern im Warenkorb des Statistischen Bundesamtes erhöht. In der Folge wird die Inflation geringer ausfallen. Die geringere Inflation spiegelt also die gesunkene Kaufkraft der Haushalt wider, die günstigere Produkte mit oft geringerer Qualität kaufen.

Ein weiterer Aspekt verfälscht zudem die Inflationsmessung. Wenn ein Produkt teurer, zeitgleich aber qualitativ besser wird, fließt die Teuerung nur zu einem Teil in die statistische Messung ein. Verbraucher haben aber keine Möglichkeit mehr, das günstigere Produkt zu kaufen, weil es zu Gunsten des Nachfolgeprodukts vom Markt genommen wurde. Die reale Kaufkraft des Verbrauchers wird also geschwächt. Zudem werden Preisanstiege einzelner Produkte durch Preissenkungen/-stagnation anderer Produkte relativiert. Es wäre besser, die Inflationsrate mit verschiedenen Warenkörben, die anders zusammengesetzt und gewichtet sind, statistisch zu erfassen. Dann hätten die Menschen die Möglichkeit, die Inflation anhand des auf ihre Lebenswirklichkeit passenden Warenkorbes einschätzen zu können. So würden die gefühlte und die statistische Inflation viel näher beieinander liegen und das Vertrauen der Bevölkerung in die offiziellen Zahlen würde gestärkt.

Im August 2020 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 0%. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die monatliche Inflationsrate merklich gesunken. Eine offiziell niedrige Inflationsrate spart dem Staat viel Geld, denn wäre sie höher, müssten auch Löhne, Renten und Sozialhilfen entsprechend steigen.

Zwischen der statistisch erfassten und der individuell erlebten Inflation liegen oft Welten. Der statistische Warenkorb bildet trotz regelmäßiger Anpassungen die Lebenswirklichkeit vieler Verbraucher nicht ab. Das Vertrauen in die statistisch ermittelte Inflation nimmt in der Bevölkerung deshalb ab.

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Quelle: IC Consulting GmbH


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