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Deutschland braucht einen Masterplan für das nächste Jahrzehnt
vom 02.02.2026

Deutschland braucht einen Masterplan für das kommende Jahrzehnt

05.01.2026 · Top-Nachricht

Ein Interview mit dem Zukunftsforscher Lars Thomsen, Future Matters, über demografische Umbrüche, Robotik, Immobilienmärkte und die vielfältigen Chancen der anstehenden Transformation – auch für Investoren.

Zukunftsforschung beschäftigt sich mit Megatrends und sogenannten Tipping Points – also Momenten, nach denen eine Entwicklung nicht mehr umkehrbar ist. Einer dieser Punkte ist die Demografie. Bislang wurden die Folgen des demografischen Wandels meist nur abstrakt diskutiert. Nun erleben wir erstmals, dass die ältere Generation zahlenmäßig dominiert. An sich ist das kein Problem, doch ältere Gesellschaften neigen stärker dazu, den Status quo zu bewahren, während jüngere Altersgruppen eher bereit sind, Veränderungen voranzutreiben.

Der Median des Wahlalters liegt in Deutschland inzwischen bei über 55 Jahren. Damit haben ältere Wählerinnen und Wähler einen entscheidenden Einfluss auf politische Entscheidungen. Das zeigt sich in einer sinkenden Innovationsbereitschaft, kurzfristigem Denken und einer stärkeren Fokussierung auf Besitzstandssicherung statt auf Investitionen in Transformation, Innovation und langfristiges Wachstum.

Diese Entwicklung wirkt sich auch auf das Wohnen und Arbeiten aus – sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum. Städte punkten mit Infrastruktur, Bildungsangeboten und Arbeitsplätzen, stehen jedoch gleichzeitig unter Druck durch hohe Mieten, zunehmende Anonymität und überfüllte öffentliche Räume. Metropolen wie Paris oder Barcelona reagieren darauf mit neuen Quartierskonzepten, bei denen alle wichtigen Einrichtungen innerhalb eines 15-Minuten-Radius erreichbar sind. So entstehen wieder lebendige Nachbarschaften und mehr soziale Begegnung im Alltag.

Gleichzeitig möchten viele Menschen im ländlichen Raum bleiben, wo sie sozial verwurzelt sind. Hier kann autonome Mobilität einen entscheidenden Beitrag leisten. Selbstfahrende Shuttles, die ältere Menschen zum Arzt oder zum Einkaufen bringen, steigern die Lebensqualität erheblich und könnten ländliche Regionen wieder attraktiver machen.

Autonomes Fahren ist eng mit der Entwicklung der Robotik verbunden. Nach der Künstlichen Intelligenz wird Robotik der nächste exponentielle Megatrend. Künftig werden weltweit mehr Roboter als Autos produziert. Deutschland hat hier große Chancen: Zwar sind andere Länder in der Softwareentwicklung stark, doch im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der präzisen Serienfertigung ist Deutschland führend. Genau diese Stärken sind für moderne Robotik, insbesondere für humanoide Systeme, entscheidend.

Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer könnten diesen Wandel nutzen und sich neu positionieren. Robotik wird die industrielle Entwicklung der kommenden zehn Jahre maßgeblich prägen.

Weitere zentrale Megatrends sind eine vertrauenswürdige, gesellschaftlich verantwortungsvolle Künstliche Intelligenz aus Europa, neue Bildungs- und Lernmodelle, eine veränderte industrielle Produktion, innovative Formen der Nahrungsmittelherstellung sowie das Thema Altern in Würde. All diese Entwicklungen bieten enormes wirtschaftliches Potenzial. Gleichzeitig ist die Finanzierungslandschaft in Europa noch unzureichend. Viele Start-ups scheitern nicht an Ideen, sondern am fehlenden Kapital, um in die Wachstumsphase zu gelangen.

Auch die Klimaveränderungen prägen die kommenden Jahre. Die Kreislaufwirtschaft hat sich als eigenständiger Megatrend etabliert. Erneuerbare Energien haben einen entscheidenden Wendepunkt überschritten: Strom aus Sonne und Wind ist heute günstiger als fossile Energie. Wir stehen vor dem größten Energiesystemwechsel seit Beginn der Industrialisierung. Speichertechnologien entwickeln sich rasant weiter und werden eine Schlüsselrolle spielen.

Kritisch zu sehen ist derzeit die fehlende langfristige Vision in der deutschen Politik. Viele Entscheidungen sind kurzfristig orientiert, während Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen einen klaren Plan für Wachstum und Wohlstand erwarten. Ein umfassender „Masterplan Deutschland 2035“, der Bildung, Sozialsysteme, Infrastruktur, Wohnungsbau, Wirtschaft und Gesellschaft auf gemeinsame Ziele ausrichtet, fehlt bislang.

In der Vergangenheit funktionierte das deutsche Modell auch ohne solche Leitbilder: starke Exporte, stabile Sozialsysteme und eine günstige Demografie. Diese Voraussetzungen gelten heute nicht mehr. Gleichzeitig verfügt Deutschland über enormes Know-how und starke industrielle Grundlagen. Die Chance, diese Transformation aktiv zu gestalten, war selten so groß.

Investitionen spielen dabei eine zentrale Rolle. Langfristiger Anlageerfolg erfordert Weitblick und das frühzeitige Erkennen von Trends – sei es bei erneuerbaren Energien oder neuen Geschäftsmodellen. Megatrends wirken sich unmittelbar auf Kapitalmärkte, Infrastruktur und Immobilien aus. Künftig wird bei Immobilien nicht mehr nur die Lage entscheidend sein, sondern das technische, soziale und infrastrukturelle Umfeld. Investitionen in Quartiersqualität, Mobilität und öffentlichen Raum werden überdurchschnittliche Renditen erzielen.

Die wirtschaftliche Zukunftsformel lautet daher: weg vom reinen Konsumdenken, hin zu Produktivitätsgewinnen durch KI und Robotik, zur Nutzung der Kreislaufwirtschaft und zum Export von Technologie und Wissen. Wachstum entsteht künftig durch Qualität, Innovation und Investitionen in Lebensqualität.

Quelle: BVT Beratungs-, Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft