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Fonds-Update – Der Fondsbrief Nr. 497
Ausgabe: 04. KW · Datum: 23.02.2026 · Fokus: Sachwertfonds, ELTIF, Marktimpulse
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Überblick
In dieser Ausgabe stehen gleich mehrere Themen im Mittelpunkt: ein auffälliger Platzierungsstart bei einem neuen Supermarkt-Blind-Pool von Habona, eine seltene Nachricht aus der Welt der offenen Immobilien-Publikumsfonds (Rücknahme-Aussetzung bei Wertgrund), neue bzw. wiederbelebte Produktinitiativen (ELTIF/Publikums-AIF) sowie Markttrends von Erneuerbaren Energien bis hin zu Betreiber- und Gesundheitsimmobilien.
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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Wertgrund „WohnSelect D“: Rücknahme von Anteilen ausgesetzt; Gründe u. a. weniger planbare Liquiditätszuflüsse und anhaltend hohe Rückgaben.
- Habona Fonds 09: Supermarkt-Blind-Pool mit bemerkenswert starkem Platzierungsstart; Konzept als „Kurzläufer“ (geplanter Verkauf nach sechs Jahren).
- ELTIF-Impulse: Munich Private Equity startet den ersten von der BaFin gestatteten ELTIF aus Deutschland (laut Bericht); Commerz Real legt einen Infrastruktur-ELTIF mit Deutschlandfokus auf.
- Hannover Leasing: Neustart nach Pause mit einem Versorgungszentrum in Gießen und geplanter Ausschüttung von sieben Prozent.
- Energie & Immobilien-Trends: Erneuerbare mit kräftigem Zubau; Betreiberimmobilien gewinnen Marktanteile; Ärztehäuser/MOBs bleiben nachfragestark bei knappem Angebot.
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1) Offener Immobilienfonds: Wertgrund setzt Rücknahme aus
Der offene Immobilienfonds „WohnSelect D“ nimmt laut Bericht keine Anteile mehr zurück. Als Treiber werden zwei parallele Entwicklungen genannt: Zum einen seien Liquiditätszuflüsse aus Transaktionen schwerer planbar, weil Verkaufsprozesse länger dauern und die Finanzierung auf Käuferseite restriktiver ist. Zum anderen blieben die Rückgabevolumina branchenweit hoch – bei einem kleineren Fonds ohne aktiv steuerbare Vertriebskanäle sei das besonders anspruchsvoll.
Für die Einordnung werden Kennzahlen genannt: In den vergangenen Jahren wurden Rückgaben von rund 145 Mio. Euro (knapp 32% des Nettofondsvermögens) bedient. In den letzten zwei Jahren seien fünf Objekte zu Verkehrswerten mit einem Volumen von 98 Mio. Euro verkauft worden. Der Bericht betont zugleich: Auswirkungen auf den Gesamtmarkt offener Publikumsfonds seien zunächst offen – u. a. weil das Fondsvolumen im Vergleich zu „Dickschiffen“ am Markt relativ klein sei.
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2) Fonds-Check: Habona Fonds 09 – „Systemrelevant“ mit starkem Start
Der „Habona Deutsche Nahversorgungsimmobilien Fonds 09“ wird als Supermarkt-Blind-Pool beschrieben: Die konkreten Objekte stehen beim Start noch nicht fest, sollen aber im Bereich Lebensmittelmärkte/Nahversorgung in Deutschland erworben werden. Der Bericht ordnet das Thema als „systemrelevant“ ein – mit Verweis auf die Corona-Zeit, als Lebensmittelmärkte geöffnet blieben, während andere Händler schließen mussten.
Konzeptbesonderheit: Habona setzt (anders als manche Wettbewerber) auf einen Kurzläufer-Ansatz und plant den Verkauf der Immobilien nach sechs Jahren. Die ersten Fonds aus der Reihe seien bereits aufgelöst worden und hätten – mit einer Ausnahme – besser als prognostiziert abgeschnitten (historischer Kontext im Bericht).
Marktargumentation: Für 2025 wird ein hoher stationärer Lebensmittelumsatz in Deutschland skizziert; zudem wird darauf hingewiesen, dass der Online-Anteil bei Lebensmitteln gering sei (im Bericht mit 1,7% beziffert). Insgesamt soll das Umfeld für Nahversorgungsimmobilien damit weiterhin stützend wirken.
Eckdaten & Kalkulation (laut Bericht)
- Fondsvolumen (Investitions- & Finanzierungsplan): 95 Mio. Euro
- Privatanleger: ab 10.000 Euro zzgl. 5% Agio; Eigenkapital Privat: 52,5 Mio. Euro
- Fremdkapital: knapp 42,5 Mio. Euro; kalkulierter Zins 3,5%; keine laufende Tilgung vorgesehen (im Bericht als Minuspunkt erwähnt)
- Prognose: Ausschüttungen 4% p. a., im Bericht als steuerfrei beschrieben; Gesamtmittelrückfluss nach Steuern bei 6 Jahren: 130%
- Kosten: Initialkosten inkl. Agio 11,8% des Eigenkapitals; investierbar laut Bericht rund 82,5% des Gesamtvolumens (zzgl. objektbezogener Kosten)
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3) Immobilienfonds-News: Hahn-Gruppe & Deutsche Finance
Deutsche Finance (DF 23 – „Club Deal UK Logistik“): Der Platzierungszeitraum wurde laut Bericht bis 31.12.2025 verlängert. Begründet wird dies u. a. mit positiver Marktentwicklung und dem Hinweis, dass vereinbarte Mieten im Portfolio unter Marktmieten lägen (Wertsteigerungspotenzial). Die Prognose eines Gesamtmittelrückflusses von 145% bis Ende 2027 werde beibehalten.
Hahn-Gruppe (Pluswertfonds 183 – Fachmarktzentrum Diez): Das Objekt wird als Fachmarktzentrum beschrieben, mit REWE als Generalmieter. Kaufpreis und Mietfaktor werden im Bericht als vergleichsweise günstig eingeordnet (u. a. Kauf bei Faktor um 15, in früheren Jahren teurer). Für Anleger werden Ausschüttungen von 4,75% p. a. genannt und ein langfristiger Rückfluss über die Laufzeit bis 2039 (Szenario im Bericht).
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4) ELTIF & Private Markets: mehr Angebote, neue „Premieren“
Der Bericht blickt auf 2025 zurück und betont die wachsende Bedeutung des ELTIF. Besonders hervorgehoben wird:
Munich Private Equity: Start des Vertriebs eines „MPE Mid Market Private Equity ELTIF“, beschrieben als erster von der BaFin gestatteter ELTIF aus Deutschland (laut Text). Das Konzept ähnelt dem klassischen Dachfonds-Ansatz (Kapital geht in einen Masterfonds, der sich an Zielfonds beteiligt). Als mittleres Szenario werden nach 13 Jahren 168% Gesamtmittelrückfluss und eine Rendite von 3,97% genannt; die Initialkosten werden mit knapp 12% beziffert, laufende Kosten über die Laufzeit mit geschätzt 39% bzw. ca. 2,4% p. a. des Nettoinventarwertes.
Commerz Real: Auflegung des „Infravest ELTIF“ als Infrastrukturprodukt für Privatanleger mit Schwerpunkt Deutschland; zugleich wird erwähnt, dass Commerz Real bereits zuvor einen Retail-ELTIF im Markt hatte („Klimavest“).
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5) Publikums-AIF: BVT Residential USA 21 & Hannover Leasing „Neustädter“
BVT Residential USA 21: Das Konzept wird als Projektentwicklungsansatz beschrieben: Entwicklung, Bau, Vermietung und anschließender Gesamtverkauf („en bloc“). Anleger zahlen erst ein, wenn die Pre-Development-Phase abgeschlossen ist (u. a. Grundstücke angebunden, Genehmigungen beantragt). Im mittleren Szenario wird ein Gesamtmittelrückfluss von 129% nach vier Jahren genannt; Mindestticket 30.000 USD zzgl. 3% Agio.
Hannover Leasing – „Neustädter Gießen“: Neustart nach Platzierungspause mit einem innerstädtischen Versorgungs-/Einkaufszentrum in Gießen. Das Objekt wird als modernisiert/revitalisiert (2019–2025) beschrieben, mit hohen Vorinvestitionen des Voreigentümers. Hannover Leasing kalkuliert laut Bericht mit 7% p. a. Ausschüttung und einem zehnjährigen Szenario-Gesamtrückfluss von 178,5%. Die Finanzierung wird u. a. mit einem Darlehen (SaarLB) und fixem Zinssatz bis Ende 2030 beschrieben; laufende Tilgung wird als niedrig eingeordnet.
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6) Personalia (Kurzmeldungen)
- Habona: Hans Christian Schmidt scheidet wie geplant aus der Geschäftsführung aus; Aufgaben gehen an Matthias Weißbäcker (zuvor Business Development).
- BVT: Felix Simmer startet als Vertriebsmanager für Retailprodukte in München.
- Quadoro: Aufsichtsrat neu besetzt (Vorsitz/stellvertretender Vorsitz und weiteres Mitglied werden im Bericht benannt).
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7) Stromerzeugung 2025: Solar & Wind mit starkem Ausbau
Der Bericht referiert Zahlen der Bundesnetzagentur zum Zubau Erneuerbarer Energien 2025: Die installierte Leistung erneuerbarer Anlagen sei um knapp 21 GW auf rund 210 GW gestiegen (ca. +11%). Haupttreiber seien Solar und Wind.
Für Solar wird eine Gesamtleistung von 117 GW Ende 2025 genannt; um das Ziel für 2030 zu erreichen, müssten künftig durchschnittlich 19,6 GW pro Jahr zugebaut werden (laut Bericht). Zudem werden steckerfertige Solaranlagen („Balkonkraftwerke“) mit rund 430.000 registrierten Anlagen erwähnt.
Wind an Land habe 2025 deutlich aufgeholt: Zubau 4,6 GW (Vorjahr 2,6 GW), Gesamtleistung 68,1 GW; für 2030 wird ein Ziel von 115 GW genannt.
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8) „Auf ein Wort“: Diskussion um Wohnungsbau – differenzierte Sicht
In einem Interview/Beitrag wird die Wohnungsdebatte als teils überhitzt beschrieben und stärker nach Regionen differenziert: Mangel in Groß- und Universitätsstädten trifft auf Leerstände in ländlicheren Regionen. Es wird argumentiert, dass „fehlende Wohnungen“ als Zahl häufig aus unterschiedlichen Annahmen resultieren und nicht 1:1 in tatsächliche Neubau-Nachfrage übersetzbar seien. Als grobe Einordnung wird ein relativ geringer Nachholbedarf erwähnt, der eher in einer Größenordnung von rund 250.000 Wohnungen liege (Aussage im Bericht).
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9) Markttrends: Betreiberimmobilien & Ärztehäuser
Betreiberimmobilien: Ein Colliers-Report wird zitiert: Betreiberimmobilien seien weniger von klassischen Immobilienzyklen abhängig, weil die „Miete“ stärker über die Ertragskraft des Betriebs geprägt werde. Der Marktanteil sei nach dem Einbruch gewerblicher Transaktionen seit 2023 auf 16% gestiegen; im ersten Halbjahr 2025 werde ein Anteil von 21% als Höchststand genannt. Gleichzeitig sei der Zugang für institutionelle Investoren oft limitiert und erfordere intensiveres Asset-spezifisches Verständnis.
Ärztehäuser / Medical Office Buildings (MOBs): Savills weist laut Bericht auf anhaltend hohe Nachfrage bei knapperem Angebot hin. Deutschland wird als führend im Bestand/Marktaktivität beschrieben, die Niederlande als dynamischer werdend. Nach einem Hoch um 2021 sei die Aktivität 2023/2024 zurückgegangen; strukturelle Treiber (Demografie, Wandel zur ambulanten Versorgung, steigende Gesundheitsausgaben) stützten die langfristige Nachfrage. Bei anhaltend begrenzten Portfolios wird eine fortgesetzte Mietsteigerung und Stabilisierung der Renditen bei Normalisierung der Marktbedingungen erwartet (Einordnung im Bericht).
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Hinweis: Diese Nachricht ist eine redaktionelle Zusammenfassung zentraler Inhalte der genannten Ausgabe und ersetzt keine Anlageberatung. Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte prüfen Sie bei konkreten Investments stets die offiziellen Unterlagen.
Freundliche Grüße Christian Schusser
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