Aktuelle Markteinschätzung Sachwertanlagen | Fondsbrief Nr. 508
Sachwerte im Wandel:
Erneuerbare Energien, Nahversorgung und
neue Anforderungen an Rendite und Stabilität
Der aktuelle Fondsbrief zeigt erneut, wie stark sich der Markt für Sachwertinvestments verändert hat. Anleger achten heute noch stärker auf laufende Erträge, nachvollziehbare Kostenstrukturen, belastbare Cashflows und realistische Renditeerwartungen. Besonders interessant sind in dieser Ausgabe zwei Themen: der Spezial-AIF Ökorenta Ökostabil 17 mit Investitionen in Erneuerbare Energien sowie der erfolgreiche Neustart von Hannover Leasing mit dem Publikums-AIF „Neustädter Gießen“.
Ein Markt, der wieder Rendite liefern muss
Viele Jahre konnten Sachwertanlagen mit Stabilität, Inflationsschutz und planbaren Ausschüttungen überzeugen. Inzwischen ist das Umfeld anspruchsvoller geworden. Festgeld, Staatsanleihen und Geldmarktfonds bieten wieder spürbare Verzinsung. Dadurch müssen geschlossene Fonds, Immobilieninvestments und alternative Sachwertanlagen klarer begründen, warum Anleger unternehmerische Risiken eingehen sollen.
Genau hier trennt sich zunehmend die Spreu vom Weizen. Produkte mit niedrigen Ausschüttungen, hohen Anfangskosten oder schwer nachvollziehbarer Kalkulation haben es deutlich schwerer. Gefragt sind Konzepte mit erkennbarem Nutzwert, realistischen Erträgen und einem klaren Marktbedarf. Der aktuelle Fondsbrief greift diese Entwicklung an mehreren Stellen auf.
Schwerpunkt 1:
Ökorenta Ökostabil 17
Investition in Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher. Zielgruppe sind vermögende Anleger und semiprofessionelle Investoren ab 200.000 Euro.
Besonders auffällig: Die Investitionsquote soll bei 100 Prozent liegen; ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an.
Schwerpunkt 2:
Hannover Leasing Neustädter Gießen
Hannover Leasing meldet einen gelungenen Neustart mit einem Publikums-AIF im Bereich Nahversorgung.
Zwei Drittel des geplanten Eigenkapitals von 30 Mio. Euro sollen bereits platziert sein.
Ökorenta Ökostabil 17: 100 Prozent Erneuerbare Energien
Der Fondsbrief widmet dem Spezial-AIF Ökorenta Ökostabil 17 einen ausführlichen Fonds-Check. Das Konzept passt in ein Umfeld, in dem Anleger zwar weiterhin Sachwerte suchen, zugleich aber sensibler auf Kosten, Rendite und Transparenz achten.
Der Fonds richtet sich nicht an klassische Privatanleger mit kleineren Zeichnungssummen, sondern an vermögende Anleger und semiprofessionelle Investoren. Die Mindestbeteiligung liegt bei 200.000 Euro. Prognostiziert wird eine Laufzeit von rund elf Jahren und ein Kapitalrückfluss von 187 Prozent.
Investitionsstrategie
Der Fonds investiert in den Bereich Erneuerbare Energien. Dazu zählen insbesondere:
- Windkraftanlagen
- Photovoltaikanlagen
- Batteriespeicher
- bestehende Anlagen mit Repowering-Potenzial
- neue Projekte im Bereich Erneuerbare Energien
Gerade die Kombination aus Stromproduktion und Speichermöglichkeiten wird wichtiger. Denn Strom aus Wind und Sonne fällt nicht immer dann an, wenn er tatsächlich gebraucht wird. Speicher können helfen, Preisschwankungen und negative Strompreise abzufedern.
Warum das Thema grundsätzlich interessant bleibt
Deutschland benötigt weiterhin einen massiven Ausbau bei Windkraft und Photovoltaik. Die installierte Leistung der Windenergie lag zuletzt bei rund 68 Gigawatt. Bis 2030 sollen 115 Gigawatt erreicht werden, bis 2040 sogar 160 Gigawatt. Auch bei Photovoltaik ist das Ausbauziel ambitioniert: Von rund 117 Gigawatt installierter Leistung soll der Bestand bis 2030 auf etwa 215 Gigawatt steigen.
Damit ist der Markt langfristig politisch und wirtschaftlich relevant. Gleichzeitig bleibt es ein unternehmerisches Investment. Genehmigungen, Strompreise, Projektkosten, technische Risiken, Regulierung und Finanzierungskonditionen können die Ergebnisse beeinflussen.
Auffälliger Punkt: Keine Initialkosten auf Fondsebene
Ein wichtiger Aspekt des Ökorenta-Angebots ist die Kostenstruktur. Laut Fondsbrief investiert der AIF 100 Prozent der Beteiligung in die Assets. Ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an. Das ist gerade im Bereich geschlossener AIF bemerkenswert, weil hohe Initialkosten bei vielen Produkten ein Kritikpunkt sind.
Ganz kostenfrei ist das Konzept natürlich nicht. Der Fondsbrief weist darauf hin, dass in den Zielgesellschaften weiche Kosten enthalten sind und dass die hauseigene KVG für den Erwerb von Fonds-Assets Transaktionsgebühren erhalten kann. Zudem fallen laufende Verwaltungs- und Managementkosten an. Der Unterschied liegt also weniger darin, dass keine Kosten entstehen, sondern darin, dass die Anfangsbelastung auf Fondsebene schlanker wirkt.
Einordnung:
Für vermögende Anleger kann das Konzept interessant sein, weil der Fonds ein aktuelles Sachwertthema mit einem nachvollziehbaren Bedarf verbindet. Wichtig bleibt aber: Es handelt sich um ein unternehmerisches Investment mit den entsprechenden Risiken. Die prognostizierten Rückflüsse sind keine Garantie.
Steuerlicher Aspekt bei Vermögensübertragungen
Der Fondsbrief hebt außerdem hervor, dass der Fonds gewerblich konzipiert ist. Dadurch können die Anteile bei Schenkung oder Erbschaft unter bestimmten Voraussetzungen als begünstigtes Betriebsvermögen behandelt werden. Das kann für vermögende Anleger, die bereits an Nachfolgeplanung denken, ein interessanter Zusatzaspekt sein.
Dieser Punkt sollte aber keinesfalls pauschal verstanden werden. Die steuerliche Wirkung hängt immer vom Einzelfall ab und sollte vor einer Zeichnung mit dem Steuerberater geprüft werden.
Hannover Leasing:
Neustart mit dem Publikums-AIF „Neustädter Gießen“
Ebenfalls ausführlich behandelt der Fondsbrief den Neustart von Hannover Leasing. Nach längerer Vertriebspause ist das Unternehmen mit einem Publikums-AIF zurück am Markt. Investiert wird in das Nahversorgungszentrum „Neustädter“ in Gießen.
Laut CEO Oliver Priggemeyer ist der Vertrieb gut angelaufen. Von einem geplanten Eigenkapitalvolumen von 30 Mio. Euro sollen bereits rund 20 Mio. Euro platziert sein. Das entspricht etwa zwei Dritteln des Zielvolumens.
Warum das Produkt derzeit offenbar funktioniert
Der Fondsbrief nennt zwei wesentliche Gründe:
- die gefragte Assetklasse Nahversorgung
- eine prognostizierte Ausschüttung von sieben Prozent
Gerade Nahversorgungsimmobilien gelten im aktuellen Marktumfeld als vergleichsweise stabil, weil Lebensmittel, Drogerie, Apotheke und täglicher Bedarf weniger konjunkturabhängig sind als viele andere Nutzungsarten.
Sieben Prozent Ausschüttung: Heute fast schon notwendig
Interessant ist die klare Aussage von Hannover Leasing zur Rendite. Produkte mit drei, vier oder fünf Prozent Ausschüttung hätten im aktuellen Markt kaum noch Chancen. Je nach Assetklasse müsse der Markt heute eher sechs bis sieben Prozent bieten, damit ein geschlossener Publikums-AIF im Wettbewerb mit anderen Kapitalanlagen attraktiv bleibt.
Diese Aussage ist bemerkenswert, weil sie sehr gut beschreibt, was sich im Markt verändert hat. Anleger vergleichen geschlossene Fonds heute stärker mit Zinsanlagen, Anleihen, Geldmarktfonds und anderen liquiden Alternativen. Wer unternehmerische Risiken übernimmt und sein Kapital über Jahre bindet, erwartet dafür auch einen erkennbaren Renditeaufschlag.
Freie Vermittler statt Banken und Sparkassen
Hannover Leasing platziert den aktuellen AIF nach eigener Aussage vor allem über freie Vermittler. Banken und Sparkassen seien bei Sachwerten, insbesondere bei Immobilieninvestments, weiterhin zurückhaltend. Ein Grund ist die Unsicherheit bei der Risikoeinstufung solcher Produkte.
Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die seit Jahren zu beobachten ist: Der klassische Bankenvertrieb spielt bei geschlossenen Sachwertanlagen eine deutlich geringere Rolle als früher. Freie Vermittler, spezialisierte Plattformen und sachwertaffine Berater bleiben für solche Produkte besonders wichtig.
Welche Assetklassen Hannover Leasing interessant findet
Im Interview nennt Hannover Leasing vor allem Assetklassen mit stabilem Cashflow. Dazu zählen:
- Fachmärkte
- innerstädtische Nahversorger
- Hotels
- ausgewählte Infrastrukturprojekte
Büroimmobilien werden nicht pauschal negativ gesehen, allerdings spricht der aktuelle Marktzeitgeist derzeit eher gegen Büroinvestments. Infrastruktur wiederum wird als grundsätzlich valide Assetklasse bezeichnet, unter anderem wegen der anstehenden Investitionen rund um Energieversorgung, Heizungsgesetz und kommunale Infrastruktur.
Einordnung:
Hannover Leasing zeigt mit dem Neustädter Gießen, dass Publikums-AIF weiterhin platzierbar sind, wenn Objekt, Ausschüttung und Story zusammenpassen. Entscheidend ist nicht allein die Marke des Anbieters, sondern die Frage, ob das konkrete Investment im heutigen Zinsumfeld einen nachvollziehbaren Mehrwert bietet.
Offene Immobilienfonds:
Das alte Sicherheitsversprechen wackelt
Neben den geschlossenen Sachwertanlagen beschäftigt sich der Fondsbrief auch mit offenen Immobilienfonds. Die aktuelle Scope-Studie zeichnet ein widersprüchliches Bild: Viele Fonds verfügen zwar weiterhin über solide Vermietungsquoten, breite Diversifikation und moderate Verschuldung. Gleichzeitig ziehen Anleger seit Jahren Kapital ab.
Laut Fondsbrief verzeichneten offene Immobilienfonds im Jahr 2025 netto Mittelabflüsse von 7,6 Mrd. Euro. Hinzu kommt eine schwache Ertragsentwicklung. Für 2025 wird eine durchschnittliche Rendite von minus 1,2 Prozent genannt. Für 2026 erwartet Scope zwar eine leichte Verbesserung, aber weiterhin durchschnittliche Renditen im negativen Bereich.
Das zeigt: Der entscheidende Wettbewerb findet nicht nur innerhalb der Immobilienfonds statt, sondern gegenüber Alternativen wie Tagesgeld, Festgeld, Geldmarktfonds oder kurzlaufenden Anleihen. Solange offene Immobilienfonds keine überzeugende Rendite oberhalb risikoärmerer Alternativen liefern, bleibt der Vertrieb schwierig.
Wichtig für Anleger:
Offene Immobilienfonds sind nicht automatisch sicher, nur weil sie täglich bewertet werden. Immobilien sind illiquide Vermögenswerte. Wenn viele Anleger gleichzeitig Geld abziehen, können Rücknahmegebühren, Rücknahmebeschränkungen oder im Extremfall Schließungen ein Thema werden.
Family Offices:
Mehr Vorsicht, mehr Diversifikation
Ein weiterer Beitrag im Fondsbrief befasst sich mit der aktuellen Einschätzung von Family Offices. Die wichtigsten Themen sind geopolitische Risiken, weltweite Verschuldung und die Sorge vor einer möglichen Rezession.
Auffällig ist, dass viele Family Offices ihre strategische Asset-Allokation anpassen wollen. Entwickelte Märkte bleiben zwar wichtig, zugleich gewinnen ausgewählte alternative Anlagen wie Infrastruktur an Bedeutung. Immobilien werden dagegen teilweise reduziert. Auch Gold wird stärker als langfristige Absicherung gegen geopolitische Risiken betrachtet.
Interessant ist außerdem die nachlassende Sicherheit rund um den US-Dollar. Viele Investoren wollen ihr Währungsrisiko breiter streuen und prüfen, ob sie zu stark in US-Dollar-Anlagen engagiert sind.
Weitere Themen aus dem aktuellen Fondsbrief
Mikro-Apartments
Der Markt für Mikro-Apartments bleibt angespannt. In einzelnen Städten steigen die Mieten auf sehr hohe Quadratmeterpreise. Das zeigt, wie stark der Wohnraummangel in bestimmten Segmenten weiterhin wirkt.
Photovoltaik
Die UN-Energien-Analyse unterstreicht die Bedeutung von Photovoltaik für die künftige Stromversorgung. Das passt zu Fondsstrategien, die Erzeugung und Speichertechnologie kombinieren.
Baufinanzierungen
Im Bereich Baufinanzierungen zeigt sich eine Erholung. Das Ergebnis im ersten Quartal nähert sich laut Fondsbrief teilweise wieder dem Niveau früherer Nullzinsphasen an.
Immobilienmarkt allgemein
Der Markt bleibt selektiv. Stabile Cashflows, belastbare Mieter, realistische Bewertungen und überschaubare Fremdfinanzierung werden wichtiger als reine Wachstumsfantasie.
Fazit: Gute Sachwertkonzepte bleiben gefragt –
aber die Messlatte liegt höher
Der aktuelle Fondsbrief macht deutlich: Der Markt für Sachwertanlagen ist nicht verschwunden, aber er ist anspruchsvoller geworden. Anleger schauen genauer hin. Ein überzeugendes Produkt braucht heute mehr als eine bekannte Marke oder eine attraktive Geschichte.
Ökorenta punktet mit einem klaren Zukunftsthema, langjähriger Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energien und einer schlanken Kostenargumentation auf Fondsebene. Das Angebot richtet sich allerdings an vermögende Anleger, die mit unternehmerischen Risiken umgehen können.
Hannover Leasing zeigt mit dem Neustädter Gießen, dass Publikums-AIF weiterhin funktionieren können, wenn Objektqualität, laufender Cashflow und Ausschüttungserwartung zusammenpassen. Die Aussage, dass Produkte heute eher sechs bis sieben Prozent bieten müssen, beschreibt das neue Marktumfeld sehr treffend.
Für Anleger bedeutet das: Sachwerte können weiterhin ein sinnvoller Baustein im Vermögen sein. Entscheidend sind jedoch eine sorgfältige Auswahl, realistische Erwartungen und eine genaue Prüfung von Kosten, Risiken, Laufzeit, Ausschüttungen und Anbieterqualität.
Sie möchten wissen, welche Sachwertanlage zu Ihrer Situation passt?
Gerne stellen wir Ihnen aktuelle Beteiligungsangebote vor und erläutern die jeweiligen Chancen, Risiken, Laufzeiten und steuerlichen Besonderheiten. Dabei geht es nicht um pauschale Empfehlungen, sondern um eine sachliche Einordnung der jeweiligen Konzepte.
Zur Beteiligungsfinder-Übersicht Mobile Ansicht öffnen
Hinweis: Diese Information stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Erwerb einer Kapitalanlage dar. Beteiligungen an geschlossenen Investmentvermögen und Sachwertanlagen sind mit unternehmerischen Risiken verbunden. Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Vor einer Anlageentscheidung sollten Verkaufsprospekt, Anlagebedingungen, Basisinformationsblatt sowie steuerliche und rechtliche Aspekte sorgfältig geprüft werden.
Quelle: Der Fondsbrief Nr. 508, Ausgabe 26. KW / 26.06.2026.