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Das Petrodollar-System wankt
Der Konflikt mit dem Iran könnte die Vereinigten Staaten nicht nur wirtschaftlich und militärisch belasten, sondern auch das Fundament ihrer globalen Finanzdominanz schwächen. Nach Einschätzung von Moventum AM rückt damit vor allem China als möglicher strategischer Gewinner in den Fokus.
Kernaussagen auf einen Blick
- Der Krieg gegen den Iran könnte die strategische Stellung der USA im Welthandel weiter unter Druck setzen.
- Im Mittelpunkt steht die mögliche Erosion des Petrodollar-Systems als zentrale Säule der US-Dominanz.
- China könnte indirekt profitieren, wenn sich der Yuan schrittweise als Alternative im internationalen Handel etabliert.
- Golfstaaten prüfen offenbar Investitionen, Kapitalströme und wirtschaftspolitische Prioritäten neu.
- Eine langfristige Diversifizierung im Ölhandel könnte Auswirkungen auf die globale Währungsordnung haben.
Luxemburg, 10. März 2026 – Der Krieg gegen den Iran könnte für die USA deutlich teurer werden als bislang vielfach angenommen. Dabei geht es nicht nur um steigende Ölpreise, Inflationsdruck oder mögliche Turbulenzen an den Aktienmärkten. Viel gravierender wäre eine schleichende Schwächung des sogenannten Petrodollar-Systems, das seit Jahrzehnten ein zentrales Fundament der wirtschaftlichen und geopolitischen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten bildet.
„China hält sich derzeit trotz der strategischen Relevanz von iranischem Öl auffällig zurück“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. „Trotzdem könnte es der größte Profiteur der Krise sein, wenn sich seine langjährige Vorbereitung auszahlt und der Yuan die Alternative zum US-Dollar im Welthandel wird.“
China verfolge nach dieser Einschätzung eine Strategie der strategischen Geduld. Während die aktuelle Eskalation politische, militärische und finanzielle Ressourcen der USA bindet, könne sich Peking als stabile, berechenbare und wirtschaftlich orientierte Alternative positionieren. Gerade in einer Region, die für Energieversorgung, Kapitalströme und Handelswege von zentraler Bedeutung ist, eröffnet dies neue Spielräume.
Golfstaaten prüfen ihre Position
Laut Fischer wächst innerhalb der Golfregion spürbar die wirtschaftspolitische Nervosität. Vertreter aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar sollen intern die ökonomischen Folgen der aktuellen Konfliktlage diskutiert haben. Im Fokus stehen demnach steigende Sicherheits- und Verteidigungsausgaben, potenzielle Störungen von Handelsströmen sowie Belastungen für Tourismus, Luftfahrt und Energieexporte.
Gleichzeitig würden einige Staaten laufende Investitionen sowie künftige Kapitalzusagen überprüfen, um mögliche Schäden bei einer weiteren Eskalation zu begrenzen. Das ist von erheblicher Tragweite: Die Staatsfonds der Golfmonarchien zählen zu den größten Kapitalquellen der Welt. Eine Neuausrichtung dieser Mittel könnte unmittelbare Auswirkungen auf internationale Finanzmärkte und auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA haben.
Warum der Petrodollar so wichtig ist
Die Golfmonarchien bilden historisch das Rückgrat des Petrodollar-Systems. Seit den 1970er-Jahren wird ein Großteil des weltweiten Ölhandels in US-Dollar abgewickelt. Dieses Arrangement hat entscheidend dazu beigetragen, den Dollar als wichtigste Reserve- und Handelswährung der Welt zu festigen. Sollte sich dieses System jedoch schrittweise öffnen und zentrale Energieexporteure ihre Beziehungen stärker diversifizieren, könnte sich die globale Währungsarchitektur langfristig verändern.
Genau an diesem Punkt sieht Moventum AM die strategische Chance für China. Denn Peking hat in den vergangenen Jahren nicht nur wirtschaftlich expandiert, sondern gezielt infrastrukturelle und institutionelle Alternativen zum westlich dominierten Finanzsystem aufgebaut.
China baut seit Jahren vor
Mit der Belt-and-Road-Initiative entstand ein weitreichendes Netzwerk aus Häfen, Bahnlinien, Straßen, Stromnetzen, Glasfaserkabeln und Logistikzentren in mehr als 150 Ländern. Diese Infrastruktur stärkt langfristige wirtschaftliche Bindungen und erleichtert den Zugang zu chinesischen Lieferketten sowie Finanzierungssystemen.
Hinzu kommen institutionelle Alternativen: Mit dem internationalen Zahlungssystem CIPS verfügt China über eine Plattform für grenzüberschreitende Zahlungen außerhalb der klassischen SWIFT-Strukturen. Parallel gewinnt auch die erweiterte BRICS-Gruppe an Bedeutung, der inzwischen mehrere große Energieexporteure angehören.
Symbolisch besonders wichtig war bereits ein Schritt aus dem Jahr 2023: Saudi-Arabien begann, einen Teil seiner Ölverkäufe an China in chinesischer Währung abzuwickeln. Noch handelt es sich um begrenzte Volumina, doch das Signal ist eindeutig: Selbst zentrale Akteure des bisherigen Systems prüfen inzwischen Alternativen.
Strategische Geduld statt direkter Konfrontation
Während die Vereinigten Staaten in den vergangenen zwei Jahrzehnten enorme Summen in militärische Konflikte im Nahen Osten investierten, konzentrierte sich China stärker auf wirtschaftliche Integration und infrastrukturelle Vernetzung – insbesondere auch in Afrika, wo langfristig erhebliche Wachstumschancen gesehen werden. Der strategische Ansatz erscheint klar: weniger direkte geopolitische Konfrontation, dafür mehr wirtschaftliche Verflechtung.
Vor diesem Hintergrund wirkt Pekings Zurückhaltung im aktuellen Konflikt nicht wie Passivität, sondern eher wie eine kalkulierte Positionierung. Jede Eskalation, die Allianzen belastet, Energiepreise destabilisiert oder Kapitalströme verschiebt, könnte genau jene alternative Wirtschaftsordnung stärken, die China seit vielen Jahren systematisch vorbereitet.
Fazit
Sollte der Nahost-Konflikt anhalten oder weiter eskalieren, könnte dies weit über kurzfristige Marktreaktionen hinausreichen. Im Kern steht die Frage, ob das bisherige Gleichgewicht aus Ölhandel, Dollar-Dominanz und geopolitischer Ordnung bestehen bleibt – oder ob mit China und dem Yuan langfristig ein alternatives System an Gewicht gewinnt. Für Investoren und Marktbeobachter lohnt damit der Blick nicht nur auf Rohstoffpreise, sondern zunehmend auch auf Kapitalflüsse, Währungsstrukturen und geopolitische Machtverschiebungen.
Quelle: Moventum AM
Stand: 10. März 2026
Weitere Informationen: moventum.lu